Im Inneren des Hotel Angst

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Gestern durfte ich das verfallene Hotel zum ersten Mal betreten. Ich muss zugeben, dass ich sehr nervös war. Bislang kannte ich das Innere nur von Bildern, die ein Eindringling gemacht und anonym auf Flickr eingestellt hatte. Und nun schloss mir Ingenieur Giuseppe Bessone die Tore auf und ließ mich hinein.
Das Innere ist atemberaubend. Alles ist durchdrungen vom Geist der viktorianischen Zeit. Reste von Deckenmalereien, alte Tapeten, schmiedeeiserne Geländer, zerbrochene Mamorstufen. Die Wände beschmiert von unerlaubten Besuchern, die ihre Namen oder teuflische Symbole hinterlassen haben. Der Verfall ist weit fortgeschritten, Treppen und Stockwerke an mehreren Stellen durchgebrochen. Und doch glaube ich ganz fest daran, dass das Hotel den Sprung in unsere Zeit bald wagen wird. Die neuen Investoren scheinen den Sinn für dieses Gemäuer erkannt zu haben. Erste Fresken wurden abgetragen und werden nun in Turin restauriert. Schon in zwei, drei Monaten, erzählte mir Signore Bessone, werden die Arbeiten am Kern neu beginnen – mit aller Sorgfalt und Ehrfurcht vor dem historischen Bau. Die Schmierereien werden verschwinden, die eingestürzten Etagen neu gestützt. Und dann, in wenigen Jahren, wird das Hotel Angst im neuen Glanz erstrahlen.